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Bier sollte niemals geschmacklos, langweilig oder charakterlos schmecken.

Eine Kopie des Berichtes von kraftbier0711.de

Andreas Seufert von Pax Bräu

 
 
 

Wir haben es geschafft den fast schon legendären und sehr erfahrenen Brauer Andreas Seufert von Pax Bräu aus Oberelsbach zu sprechen. Pax Bräu wurde 2007 als Ein-Mann-Betrieb gegründet und ist seit dem im deutschen Kraftbier Umfeld nicht mehr wegzudenken. Pax setzt nicht nur immer neue Ideen im Bier Bereich um, sondern sie sind auch Vorreiter für die Kreativbierszene. Ihre Philosophie ist: Bier sollte niemals geschmacklos, langweilig oder charakterlos schmecken. Pax Biere sind Leuchtfeuer, Nonkonformist und trotzen der Wüste der deutschen Einheitsbiere. Daz bedarf es aber auch jede Menge Erfahrung und handwerkliches Geschick, was Andreas durch seine lange Ausbildung und den Beruf als Brauer und Mälzer lernen durfte. Wir sind gespannt, was er uns zu erzählen hat.

 
 

Woher kommst du? Erzähl uns etwas über Deinen Werdegang.

Geboren bin ich in Fulda und aufgewachsen in Würzburg. Danach bin ich nach Oberelsbach und dort hat es mich nach abgebrochener Gymnasialausbildung und dem anschließenden Zivildienst mehr, oder minder zufällig in die Brauerausbilung bei der Würzburger Hofbräu getrieben, die ich aber auf Grund guter Leistungen vorzeitig beenden durfte.

Seit meiner Ausbildung war mir klar, dass der Brauerberuf mir wirklich Spaß bringt und ich lieber in handwerklichen Strukturen arbeiten möchte. So kam es, dass mich meine erste Gesellenstelle nach Landau in die Pfalz führte, wo ich im Landauer Brauhof das handwerkliche Brauen richtig lernen durfte. Meine Stellen sind zahlreich und gehen von der Fachschule Doemens als Brau- und Malzmeister, über die Auslandsanstellung in Vietnam City genauer im Brauhaus NGUYEN DU, als Schriftführer bei der Saftaufbereitung Hardthof Fruchtsaft GmbH in Grünsfeld, über die Anstellung als Brauer in der Privatbrauerei Ludwig Roth GmbH in Schweinfurt, bei Löwenburg Culture and Entertainment in Shenzhen China, bei der Brauerei Tolstiy Fraer in Russland, als Braumeister bei GEA Huppmann AG für Kirin, Auerbräu, Brasserie d’Orval, Pilsner Urquell, usw. bis hin zur eigenen Brauerei Pax und der Ausbildung zum Biersommelier 2010.

Da ich aus einer Familie stamme, die weit vor meiner Zeit, in Oberelsbach in das Kommunbraugeschehen involviert war, bestand dort schon immer eine Affinität zur Herstellung des eigenen Bieres. So kam es, dass ich mit großer Unterstützung meines Onkels in die Stallungen seines ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes eine Hobbybrauerei mit einer Ausschlagmenge von 250l installierte. Dort braute ich immer dann, wenn ich längere Zeit nichts Anderes zu tun hatte, oder mich länger an einem Stück in der Heimat aufhielt. Der Rest ist dann mittlerweile Geschichte. Da ging dann wohl das Hobby mit mir durch…

 

Wie bist Du auf den Namen Pax gekommen?
Mein erster Meisterschulentag war 9/11. Danach haben selbst angehende Braumeister ab und an über Krieg und Frieden diskutiert. Ein Klassenkollege brachte damals gerne den Trinkspruch aus: „Drum lasst uns Schwerter zu Zapfhähnen schmieden und trinken für den Frieden“. Der hat bei mir so gesessen, dass ich ihn nicht mehr vergessen konnte. Als es dann nach meinem 2-jährigen Engagement in China aussah, dass ich evtl. mein Brauprojekt intensiver angehen könnte, stand schnell die Frage nach einem Namen im Raum. Mir gefiel der Gedanke den Trinkspruch aus der Meisertschulzeit als Brauereimotto zu verhackstücken. Es war also naheliegend, etwas zu diesem Motto Passendes zu wählen. Jedoch der Name Friedensbräu hörte sich für meine Ohren zu sehr nach Bestattungsinstitut an, so dass dieser Name ausschied. Es begab sich aber zu dieser Zeit, dass ich mich zusammen mit meiner Freundin zum Backpacken in Laos aufhielt und wir unsere Gedanken auch beim Warten auf den Bus, von Zeit zu Zeit um diesen Thema kreisen liesen. Eben dort, an einer Bushaltestelle mitten in Laos, kam meiner Freundin der Name, als sie den Namen Pakse, einer Stadt in Südlaos auf dem Busfahrplan laß: Pax lat. für Friede – Das sollte es sein.

Wie bist Du zum Bierbrauen gekommen?
Eigentlich war es so wie bei Hans Söllner’s Lied “Endlich eine Arbeit”. Ich wollte eigentlich was ganz anderes werden, nämlich Mechaniker, was mir jedoch aufgrund meines grandiosen Schulabschlusses, einer offensichtlich Nichteignung für diesen Beruf, sowie einem recht punkverzottelten Äusserem und der dazugehörigen Fuck the System-Einstellung, verwährt blieb. Aus Mangel an Alternativen und einer gewissen Affinität zum Biertrinken, habe ich damals bei der Berufsberatung als Ausweichmöglichkeit den Beruf das Brauers und Mälzers angegeben. Ich denke manchmal, es sollte wohl so sein. Quasi vom Schicksal vorbestimmt. Denn auf meine Bewerbungen auf die Ausbildungsstellen zum Brauer und Mälzer bekam ich fast ausnahmslos Einladungen zu Bewerbungsgesprächen.  Bereits bei der ersten Brauerei haben sie mich auf der Straße abgefangen und das obwohl ich ordnungsgemäß zum Bewerbungsgespräch mit Lederkutte erschienen bin.

 

Welche Höhen/Tiefen hast Du mit Pax bereits erlebt?
Es ist wohl kein Geheimniss, dass 2017 der bisherige Peak im deutschen Kreativbiermarkt war. Die Jahre danach waren Geschäftsmäßig eher zäh. 
2020 hätte sich so in puncto Veranstaltungen und großen Aufträgen, die anstanden schon ganz gut angelassen, bis im März dann alle Hoffnungen auf das beste Jahr seit bestehen der Pax Bräu geraubt wurden. Zu den Höhen gehörte sicherlich auch, die Installation einer professionellen Brauanlage in 2011, sowie einer eigenen Füllerei in 2014 und die Ausbildung meines ersten (Alex) und zweiten Lehrlings (Thorsten). Das war schon ein tolles Gefühl zu sehen, was man in den letzten Jahren alles bewegt hat.

 

Was ist Dein Lieblingsbierstil?
Es gibt da wohl zwei. Der erste, eine alte Liebe von mir, ist das Rauchbier. Der zweite den ich unheimlich gerne trinke ist das Witbier.

 

Welches Bier ging mal so richtig schief und warum?
Es war ein Weißbier. Die Hefe, die ich bekam war kontaminiert und so kam das Bier schon sauer aus der Gärung raus.  Ein Lehrling, in der Brauerei, in der ich mir damals die Hefe holte, gab mir die Hefe fälschlicher Weise aus einem gesperrten Tank, obwohl bereits bekannt war, dass sich darin Lactos befanden. Ansonsten führe ich in den letzten Jahren den ständigen Kampf mit den Lactos bei meinem Lieblingsbierstil – dem Witbier. Aber hinter das Warum bin ich bis heute noch nicht gekommen, da alle Biere aussenrum ständig o.B. sind (selbst alle Weißbiere!)

 

Du machst ja total kreative Biere, wie kommst Du auf die Ideen? Wo holst Du Dir die Inspiration, bzw. Muse?
Ich gehe mit offenen Sinnen durch die Welt, da fällt mir schon einmal die eine, oder andere Zutat auf, die meine Aufmerksamkeit erregt, wie zum Beispiel die Rose, bei meiner Rhabarber-Hibiskus-Rosen-Gose. Es ging mit der Rose los, deren Geruch ich so lecker fand, dass sich dann Stück für Stück die anderen Zutaten zusammenfanden. Oder zum Beispiel beim Essen. So war es ein Mango-Chili-Dipp, den ich einmal kosten durfte, der dafür verantwortlich war, dass ich ein Mango-Chili-Strong-Ale gebraut habe. Manchmal sind es auch die Biere von Kollegen, die mich nachhaltig beeindrucken, sodass ich auch meine Interpretation dieses Bierstil selbst brauen möchte. Die Inspiration hole ich mir, wie jeder andere Künstler, auch bei meiner Muse.

 

Bist Du mit Deinen Bieren schon mal in Bayern angeeckt?
Ja, diverse Male.

 

Craft Bier Hype oder bleibt?
Das wird schon noch Schrittchen für Schrittchen vorangehen mit diesem sogenannten Craft Bier. Aber einen Hype würde ich das nicht gerade nennen.

Was hälst Du von Nachhaltigkeit und wie gehst Du beim Brauen mit dem Thema um?
Eine Menge. Ich braue zum überwiegenden Teil mit Biorohstoffen aus der Region. Ich habe meine eigene Braugerste aus Oberelsbach, die mir sortenrein in 20km Entfernung vermälzt wird. Kürzere Transportwege, wie die meinen gibt es kaum. Der Großteil meines Hopfen kommt von einem Biohof aus dem Landkreis Forchheim. Wir bemühen uns unsere Brauwochen so zu gestalten, dass wir nach Möglichkeit nur eine Brauwoche im Monat haben und in dieser dann bis zu 12 Sude durchsieden. Das spart uns einen Haufen Anfahr- und Reinigungsenergie. Wir haben sowohl Photovoltaik, als auch Solarthemie installiert. Den Strom, den wir zukaufen müssen erhalten wir auschließlich aus regenerativen Energiequellen von den Elektrizitätswerken in Schönau. Zusätzlich sind wir an den Nahwärmeverbund in Oberelsbach angeschlossen, der seine Energie aus Hackschnitzeln bezieht. Unsere Prozesswärme erzeugen wir momentan noch aus Öl. Langfristig plane ich aber bereits an einer Umstellung auf erneuerbare Energiequellen.

 

Was sagst Du zum Reinheitsgebot? Chance oder Einschränkung?
Es hat uns bisher viel Chemie im Bier erspart und schränkt uns aber auch gewaltig ein. Eine Reformation, bzw. Abschaffung ist schon lange überfällig. Ich wünschte mir es würde zu einem Natürlichkeitsgebot kommen, wie es die Deutschen Kreativbrauer bereits ausgearbeitet haben.

 

Welcher Hopfen hat sich als Lieblingshopfen bei Dir etabliert? Gibt es überhaupt einen?
Ich hopfe gerne mit neuseeländischen Hopfen, wenn es darum geht hopfenbetonte Bier wie Pale Ale und Co. zu brauen. Besonders positiv ist mir dabei der Riwaka in Erinnerung geblieben. Aber an den komme ich seit Jahren nicht mehr ran. Zusätzlich benutze ich gerne NZ Motueka. Ansonsten sind meine meistgebrauchten Hopfen die Perle, Spalter Select und Cascade. Die finde ich logischerweise auch recht toll.

 

Hast Du schon diverse Co Suds gemacht? Wenn ja mit wem?
Ja, mit John Wright von der Band No Means No, oder dem Dolf vom TRUST Fanzine. Mit anderen Brauern habe ich mit den Kreativbrauern (Gemeinschaftssud) gebraut, oder mit dem Sven Austel vom Brix Brewhouse in Stavanger Norwegen in Stavanger. Meine letztes Projekt war das Old School Lager mit dem Tom Schwindel von Braukomet. Es handelt sich hierbei um ein Lager mit historischen Malzen, Hopfensorten und einer alten Hefesorte.

 

Was kommt als nächstes?
Das selbe wie jeden Tag. ich werde versuchen die Erde zu erobern! Und zwar mit einer alkoholfreien Brauspezialität.

Vielen lieben Dank an Andreas Seufert für das geniale Interview. Wir sind beeindruckt, was Du in Punkto Nachhaltigkeit schon unternimmst. Da können sich einige Betriebe eine Scheibe von abschneiden. Auch Deine Erfahrung und dein Werdegang sprechen für sich und da ist es auch kein Wunder, dass Deine Biere einen eigenen Charakter, Stil und ein eigenes Leben aufweisen. Wir feiern Deine Kreativität und jetzt nach dem Interview erst recht. Cheers!

 
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BR Heimat interviewt den Braumeister

Am 18. Dezember 2019 wurde Andreas Seufert von Jochen Wobser – Reporter des Bayrischen Rundfunks – interviewt. Dabei zeigte der Braumeister erneut seine Leidenschaft für gutes Bier und seine Ideen für kreative Sude. Es entstand ein angenehmer neuer Hör-Beitrag für die Sendung „Habe die Ehre“ auf „BR Heimat„.

Anzuhören und zu lesen auf der Webseite des Bayrischen Rundfunks.

Brauer Andreas Seufert zu Gast bei Jochen Wobser (li) | Bild: BR/Ansgar Nöth
Brauer Andreas Seufert zu Gast bei Jochen Wobser (li) | Bild: BR/Ansgar Nöth